Eine unklare Wirtschaftslage, schwierige technische Rahmenbedingungen und der Mangel an zentralen Ressourcen stellen das Baugewerbe vor einige Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung. Dennoch bleibt die Welt nicht stehen und die großen globalen Baukonzerne treiben die Modernisierung von Prozessen und Abläufen stark voran, solange Corona einige der zentralen Megatrends nicht aufhält:

  • Die Urbanisierung ist mitverantwortlich für das konstante Wachstum der Branche, doch langsam wird der Platz knapp und schwer bezahlbar. Neue Anforderungen einer urbanen Generation und die Integration neuer Technologien sind entscheidend, neue Arbeits- und Lebensmodelle erfordern ein Umdenken bei der klassisch urbanen Infrastruktur.
  • Nachhaltigkeit anhand fester KPIs bedeutet, dass Prozesse, Materialien und Abläufe ökologisiert werden müssen.
  • Früher hieß Globalisierung vor allem eines: mehr potenzielle Kunden. Heutzutage hat der Begriff einen deutlich ambivalenteren Unterton: Märkte verschieben sich, Handelskriege und politische Intervention bringen Ungewissheit in eine risikoaverse Branche. Zusätzlich ändern sich unsere sozialen Werte. Neue Geschäftsmodelle sind gefragt.

Wie sieht die Zukunft aus? Industrietrends und Innovationen im Baugewerbe

Digitalisierung wäre einfach, könnte man auf der grünen Wiese beginnen, was für kaum ein Unternehmen der Branche möglich ist. Oft werden IT-Problemlagen aus vergangenen Akquisitionen abgearbeitet, Verantwortliche investieren ihre Zeit darin, das System überhaupt am Laufen zu halten, Innovation per se ist dabei fast nicht machbar.

      1. BIM

        Das Hauptthema der Bauindustrie im Bereich der Digitalisierung ist seit geraumer Zeit das Building Information Modelling (BIM). Und das zu guter Recht, bietet es doch Vorteile in allen Phasen eines Projektes. Digitale Plattformen zur Vernetzung verschiedenster Stakeholder, K.I. unterstützte Programme zum 3D Sketching oder das automatische Einscannen ganzer Innenräume per mobilem Roboter sind nur einige Innovationen der letzten Monate rund um BIM. Auch Gesetzgeber sind bereits aufmerksam geworden, wenn BIM mit allen seinen Komponenten zum Standard wird, müssen die relevanten Skills bereits im Unternehmen vorhanden sein!

        Auch das digitale Managen und Visualisieren von Daten und Feedback genießt große Aufmerksamkeit, egal ob On-Site per AR bzw. App oder Off-Site im Rahmen einer Projektmanagementplattform. Auch K.I.s, die alle Daten eines Projektes kombinieren und den jeweiligen Projektmanagern dann detailliert Engpässe visualisieren sind schon Realität. Egal an welcher Stelle Sie das digitale Commitment setzen, in jedem Fall lassen sich Kosten sparen, Prozesse beschleunigen und Experiences modernisieren. Dennoch setzt eine erfolgreiche Implementierung einen Gesamtplan für IT, Prozesse und Daten voraus, denn nur synchronisierte und qualitätsgesicherte Daten führen dazu, dass das Versprechen vollständiger Digitalisierung erfüllt werden kann.

      2. Robotic Process Automation

        Der Wirtschaftszweig „Baugewerbe“ hat laut einer WKO-Prognose im Durchschnitt mit einer Automatisierungswahrscheinlichkeit von 59% zu rechnen. Von den einen als Jobkiller verteufelt, von den anderen als Lösung gegen den immer stärkeren Fachkräftemangel gepriesen hat sich die Debatte rund um die Automatisierung in den letzten Jahren immer mehr aufgeladen.

        Grundsätzlich lässt sich zwischen Hardware- und Softwareautomatisierung unterscheiden. Während Ersteres primär das autonome Betreiben von bereits bekanntem Equipment wie z.B. Baggern und Kränen behandelt, ist Letzteres deutlich subtiler und spiegelt sich z.B. in der automatischen Datenübertragung durch Lösungen wie RPA wieder.

        Beide Ansätze haben großes Potential ein Unternehmen zu revolutionieren, beide sind bereits für eine Vielzahl an Situationen vorhanden und beide warten nur darauf zum Mainstream zu werden. Die große Herausforderung besteht bei der Umsetzung darin, die bestehenden Mitarbeiter einzubinden und klare Rollentransformationskonzepte zu erstellen, um klar zu machen, dass die vollständige Digitalisierung der Daten letztlich zu mehr Umsätzen, höheren Effizienzen und neuen Geschäftsmodellen führen soll und nicht dazu, verdiente und kompetente Mitarbeiter zu verlieren.

      3. IOT

        Das Zukunftswort des Jahres 2020 des Zukunftsinstitut lautet „Green Pressure“. Dieser grüne Druck liegt jedoch nicht nur auf Branchen wie dem Lebensmittelhandel oder der Tourismusbranche, sondern eben auch auf der Baubranche und der Stadtentwicklung.
        Nachhaltige Materialien, passives und energieschonendes Bauen, wie auch der Wunsch nach grünen Umfeldern sind eine neue Realität für unsere Gesellschaft. Häuser und Siedlungen werden zunehmend hinsichtlich ihrer Öko-Bilanz bewertet. Bald werden Eco-Home-Ratings für energieeffizientes und umweltfreundliches Bauen überall Standard sein. Technologie lässt sich dabei sowohl im Bau als auch via IOT im Monitoring und Reporting erfolgreich einsetzen.

      4. Convenience Tech

        Durch die zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Freizeit, Home Office als neuen Standard aufgrund der Corona Krise und verstärkt digitales Arbeiten einer ganzen Generation müssen Wohn- und Lebensräume generell stärker zu multifunktionalen Zielsystemen werden, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden können – für den Job, die Familie oder als Ruheoase.
        Gleichzeitig haben verbundene Geräte den Durchbruch in unsere Eigenheime und Arbeitsplätze geschafft. Faktoren die Konsumenten in die Smart Home Richtung motivieren: Einsparungen im Energieverbrauch, Sicherheit, Convenience und Kontrolle.

Fazit

Die globalen Megatrends werden durch Corona eher beschleunigt als verlangsamt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, lässt sich die Notwendigkeit, Digitalisierungsmaßnahmen umzusetzen also nicht wegleugnen. Als langfristige Orientierung ist eines aber eine gute Voraussetzung für den Grundstein jedes Change Prozesses: Geduld. Wer technischen und wirtschaftlichen Innovationen die nötige Zeit gibt und sie laufend weiterentwickelt, wird am Ende am meisten profitieren.

Wie PwC Digital Consulting Ihnen bei dieser Reise helfen kann und welche Projekte wir für Kunden des Bereichs Building & Interiors bereits abgeschlossen haben erfahren Sie unter diesem Link.

 

Autor: Paul Fliser
PwC Digital Consulting