Mehr Daten, weniger PS: Leitlinien der (auto)mobilen Zukunft

Mobilität im Wandel

Die Automobilbranche steht vor einem noch nie dagewesenen Wandel, der weitreichende Auswirkungen auf die Branche und deren Anwender haben wird. Ein großer Treiber dieser Transformation ist der Übergang zu neuen Antriebsarten und alternativen Kraftstoffen. 1886 wurde erstmals ein Patent für ein Auto mit Verbrennungsmotor angemeldet und zukünftig werden diese durch klimaneutrale E-Fuels ersetzt. Ein zweiter großer Treiber, welcher die Mobilität in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stark beeinflussen wird, ist die digitale Transformation. Trends wie Konnektivität oder Smart Mobility spielen hier eine wesentliche Rolle.

Im Folgenden werden vier Dimensionen vorgestellt, die den Wandel im Automobilsektor künftig vorantreiben werden. Auch die Automobilbranche blieb von COVID-19 nicht verschont, sodass einige Trends etwas abgebremst, andere hingegen sogar nochmal beschleunigt wurden.

 

Transformation der Automobilbranche – Die Zukunft ist „C-A-S-E“

Faktor Mensc

 

Connected Lieber Digital als mehr PS

In den letzten Jahrzehnten definierte sich ein Auto vor allem über drei Merkmale: Technik, Präzision und Leistung. In Zukunft wird es aber beim Kauf eines Autos auch entscheidend sein, welche integrierten digitalen Dienste geboten werden. Tesla zeigt es vor, indem beispielsweise spezifische Kundenwünsche innerhalb kürzester Zeit via Update am Auto zur Realität werden. Die Herausforderung hierbei ist nicht unbedingt die technische Komponente, sondern eine zentrale Bordnetzarchitektur, d.h. eine Verbindung aus Konnektivität, Software und Fahrzeugdaten. Die Bedeutung von vernetzten Fahrzeugen wird in den nächsten Jahren weiter rasant steigen und gleichzeitig mit dem exponentiellen Wachstum des Datenaufkommens einhergehen. Das Fahrzeug wird somit zu einer Informations- und Datenquelle von unbegrenzten Möglichkeiten werden. Viele Daten sind gleichzeitig aber immer auch mit viel Risiko verbunden. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Automobilhersteller selbst Anbieter digitaler oder vernetzter Dienste bleiben bzw. werden, sodass Daten nicht an mächtige Technologieunternehmen, wie etwa Google oder Apple ausgelagert werden. Das ermöglicht einerseits die Selbstkontrolle über die Daten und andererseits bleibt auch die Loyalität und das Vertrauen der Kunden weiterhin bestehen. 

Autonomous – Die Königsdisziplin

Der Kunde möchte autonomes Fahren zukünftig nutzen. Studien zeigen, dass 64% der deutschen Verbraucher am autonomen Fahren Interesse haben und rund ein Drittel hiervon würde beim Kauf, Leasing oder Abonnement einen Aufpreis zahlen. In der Praxis zeigt sich aber, dass der Weg zum autonomen Fahren mit einer schrittweisen Verbesserung von Hardware, Software und Infrastruktur noch deutlich länger dauert als ursprünglich erwartet. Der „Digital Auto Report 2020“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC zeigt, dass in Österreich, aber auch in anderen europäischen Ländern erst im Jahr 2035 ein Anteil von 15% bei vollautomatisierten bzw. autonomen Neufahrzeugen (Level 4 / Level 5 Technologie) zu erwarten ist. Insbesondere das Testen der Sensorik, Fahralgorithmen und die Validierung der Sicherheit stellen weiterhin große Herausforderungen dar. Somit bleibt das vollautonome Fahrzeug, das sich in jeder Umgebung und jeder Situation zurechtfindet, vorerst noch eine Vision.

Smart Mobility – Neue und revolutionäre Denkweise

Smart Mobility, also die Nutzung von Verkehrsmitteln neben oder sogar anstelle des eigenen Fahrzeugs, wie beispielsweise Ride-Sharing oder Car-Sharing, ist eine weitere Dimension, die schon seit Jahren einen Hype erlebt. Durch COVID-19 wurde dieser Trend nun etwas abgebremst. Insbesondere Sharing-Konzepte, wie es beispielsweise Uber oder ShareNow anbieten, aber auch öffentliche Verkehrsmittel werden aktuell nicht so oft in Anspruch genommen, wohingegen traditionelle Mobilitätsvarianten, wie das eigene Auto oder das Fahrrad wieder häufiger genutzt werden. Der bei einigen Herstellern seit längerem geführte Slogan „Vom Automobilhersteller zum Mobilitätsdienstleister“ verliert derzeit etwas an Bedeutung. Das heißt aber nicht, dass Smart Mobility generell an Bedeutung verliert oder dass es künftig keine dieser Mobilitätsanbieter mehr geben wird, jedoch wird ein Ausleseprozess unter den aktuellen Anbietern stattfinden bzw. eine Tendenz Richtung Kooperationen erwartet. Für die urbane Mobilität können auch neue multimodale Serviceplattformen eine wichtige Rolle spielen, beispielsweise durch multimodale Apps, die von multi- oder sogar intermodalen Routing bis hin zu einer Mobilitäts-Flatrate, also die gesamthafte Nutzung des öffentlichen Verkehrs, Carsharings, E-Bike Sharings sowie Taxis, reichen können. Langfristig können auch Air Taxis (z.B. Uber Air) eine Rolle spielen, um Transportmöglichkeiten zwischen Vororten und Städten zu erweitern. Wie man sehen kann, verursacht die Krise zwar ein Umdenken der aktuellen Konzepte, öffnet aber gleichzeitig Chancen und Potenziale, um mittel- und langfristig neue profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Electric – Die Zukunft ist E-Mobilität 

Wer saubere Städte und klimafreundliche Fortbewegung will, der muss kurz- und mittelfristig auf Elektromobilität setzen. Jedoch werden uns auch Verbrennungsmotoren noch einige Zeit begleiten. Das liegt einerseits daran, dass Innovationen, wie Batterietechnologien oder wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen noch nicht flächendeckend im Einsatz sind und andererseits noch zwei bis drei Fahrzeuggenerationen vergehen werden, bis die ersten angekündigten Neuzulassungsstopps für Verbrennungsmotoren in Kraft treten. Nichtsdestotrotz steigt die Anzahl der Zulassungen für Elektroautos. Europa ist im E-Auto-Markt weltweit führend, die Absatzzahlen stiegen in den größten europäischen Ländern um knapp 150% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Gründe dafür liegen in den zunehmend ausgereiften Produkten, optimierten Verkaufsprozessen, günstigeren Anschaffungs- und Erhaltungskosten und zusätzlich getrieben durch staatliche Innovationsprämien. COVID-19 verschafft diesem Trend nochmal einen „boost“, da der Markt für Benzin- und Dieselfahrzeuge durch die Pandemie hart getroffen wurde, wohingegen die Begeisterung für alternative E-Antriebe keine Krise kennt.

Fazit: Unternehmen in der Automobilindustrie müssen künftig ein klares Verständnis haben, wie ihre Produkte und Dienstleistungen durch neue Transformationen beeinflusst werden und wie sie darauf reagieren müssen (z.B. Entwicklung neuer Produkte oder Geschäftsmodelle, aber auch die Vermarktung neuer Services, etc.). Des Weiteren müssen Prozesse und Produkte digital und nachhaltig gestaltet werden, um den wandelnden Ansprüchen und Präferenzen der Kunden gerecht zu werden. Fakt ist, die Automobilbranche steht vor einem Wandel, der nicht einfach ausgeblendet werden kann. Experten sind sich einig, der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Kombination aus Elektromobilität und Digitalisierung.

Quellen:
Strategy& – Digital Auto Report 2020
Handelsblatt Journal – Die Zukunft der Automobilindustrie

 

Autor: Markus Kittenberger
Customer Experience Consultant
PwC Digital Consulting

 

 

 

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