„More than education, more than experience, more than training, a person’s recilience will determine who succeeds and who fails.” schreibt der Harvard Business Review bereits im Jahr 2002. Heute ist der Ruf nach „Resilienz“ von Organisationen, Teams und Individuen lauter denn je. Der WEF „Future of Jobs“ Report aus dem Jahr 2020 berichtet, dass 50 % aller ArbeitnehmerInnen bis 2025 umgeschult werden müssen, um in dieser sich ständig verändernden Welt beschäftigt werden zu können. Der Report listet jene 10 Skills von denen Arbeitgeber glauben, dass sie in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnen werden: „Kritisches Denken“ und „Problemlösung“ stehen ganz oben, neu hinzugekommen sind Fähigkeiten im Selbstmanagement wie „aktives Lernen“ und „Resilienz“.

Resilienz – was ist darunter zu verstehen?

Im wirtschaftlichen Kontext ist Resilienz „die Fähigkeit, schnell auf veränderte Anforderungen zu reagieren und sich diesen erfolgreich anzupassen. Der Begriff wird sowohl für Individuen als auch für ganze Organisationen verwendet, denn zwischen der Stärke und Wirksamkeit einzelner Organisationsmitglieder und der Reaktionsfähigkeit der Organisation als Ganzes besteht eine große Abhängigkeit.“ (siehe „Resilienz lernen“, Dossier managerseminare).

Auf individueller Ebene steht der Begriff laut den Autoren auf managerseminare heute für die „Fähigkeit zur Aufrechterhaltung oder Rückgewinnung der psychischen Gesundheit während oder nach widrigen Lebensumständen.“ Vom alltäglichen Stress, der durch Jobüberforderung oder der Übernahme einer Führungsposition verstärkt werden kann, bis hin zu traumatischen Erlebnissen wie etwa einem Überfall. Resilienz ermöglicht uns, Veränderungen zu akzeptieren, um das Beste aus ihnen zu machen, statt sie automatisch abzuwehren. Resiliente Menschen kennen ihre Ressourcen, wissen sie einzusetzen und entwickeln sie ständig weiter, zudem pflegen sie eine positive Grundhaltung. Zu ihren Fähigkeiten zählen beispielsweise souveräne Selbststeuerung, Vertrauen in den Wandel, Freude an Neuerungen, klare Werteverankerung, kreatives Denken und einfühlsame Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit.

Resilienz ist erlernbar

Die Psychologie beschäftigt sich seit Mitte der fünfziger Jahre mit der Resilienz. Seine Bedeutung hat sich im Laufe der Jahre verändert – wurde sie zu Beginn von einer unveränderbar definierten Persönlichkeitseigenschaft ausgegangen, weiß man mittlerweile, dass Resilienz trainierbar, aber auch wieder verlernbar ist. Eine zentrale Säule der Resilienzstärkung ist es, Menschen zu Eigenverantwortung und hoher Selbstständigkeit zu motivieren. Coaching und Mentoring können dabei unterstützen, individuelle Stärken besser kennenzulernen und dadurch die eigene Selbstwirksamkeit systematisch zu erweitern.

Kommen wir zu Ihnen: Finden Sie hier einige Vorschlägen, die Sie schon heute oder in den nächsten Tagen ausprobieren können, um Ihre Resilienz zu stärken:

  • Was können Sie in den kommenden Tagen tun? Machen Sie es sich beispielsweise zur Gewohnheit mit sich selbst in einen lebhaften Diskurs zu kommen: „Richte ich meinen Fokus konsequent auf Lösungsmöglichkeiten, statt zu jammern?“, „Kenne ich meine Stärken, und hole ich mir regelmäßig Feedback von anderen ab?“ oder „Kann ich mich abgrenzen und, wenn nötig, Nein sagen?“. Steigern Sie Ihr Bewusstsein für Ihre Selbstwirksamkeit und verstecken Sie neue Vorhaben nicht hinter „Dafür-habe-ich-einfach-keine-Zeit“-Vorwänden. Im Buch „Mindshift“ bietet die Autorin Svenja Hofert eine zeitgemäße Struktur neue Lernvorhaben anzupacken und umzusetzen. In einem Kreislauf von sieben Schritten üben Sie sich darin neue Themen zu bearbeiten, zu üben, zu reflektieren aber auch in Ihrem Netzwerk zu teilen https://www.svenja-hofert.de/buecher/. Möchten Sie noch tiefer an Ihrer Netzwerkorientierung arbeiten, versuchen Sie sich beispielsweise in einem Working Out Loud Circle https://workingoutloud.com/.
  • Was können Sie gleich tun? Imitieren Sie ein Lächeln. Jetzt. Üben Sie Ihre positive innere Einstellung und richten Sie Ihren Fokus auf das, was Sie haben, nicht auf das, was fehlt. Im Duo mit Ihrer inneren Überzeugung, dass alles wieder gut wird, hilft Ihnen, gelassen zu bleiben und Probleme aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Gute Gefühle lassen sich tatsächlich auf Kommando produzieren. Da unser Gehirn nicht unterscheiden, was wahr ist oder nicht, müssen Sie nur so tun, als Sie diese guten Gefühle schon hätten. Indem Sie eine Minute lang ein Lächeln imitieren, werden Sie sich schon spürbar besser fühlen. Die Muskelbewegung allein ist Signal genug für das Gehirn, stimmungshebende Botenstoffe auszuschütten. (aus „Basis für ein agiles Mindset“, managerseminare). Wenn Sie weiter an Ihrem Glücksgefühl arbeiten möchten, könnten Sie versuchen nach der Methode des Begründers der positiven Psychologie Martin Seligman ein „Glückstagebuch“ zu führen.

Die meisten Menschen verändern sich nicht gern. Durch die Pandemie, wirtschaftliche Rezessionen, die VUKArisierung der Arbeitswelt und damit einhergehend neue, agile Arbeitsweisen oder auch durch den Klimawandel wird es diese Veränderungen jedoch immer geben. Entscheiden Sie selbst, ob „Resilienz“ für Sie zu einem weiteren Begriff im Buzzword-Bingo wird, oder ob Sie Ihre Resilienz kontinuierlich stärken, um auch in neuen Gegebenheiten schneller Ihre eigenen Handlungsspielräume nutzen zu können.

Autor: Eva Mader
Training and Learning Experience Manager
PwC Digital Consulting